„Designed with Love in Austria – Made with Know-how in Cambodia“

Eine Stellungnahme zu unserer Fahrradproduktion in Kambodscha

Heute wurde ein Artikel in DIE ZEIT zum Thema Fahrradproduktion in Kambodscha veröffentlicht, in dem woom als eine der Firmen erwähnt wurde, die ihre Fahrräder in Kambodscha produzieren lassen. In dem Beitrag wurden die Arbeitsbedingungen der Menschen in verschiedenen kambodschanischen Fahrradfabriken kritisiert. Dabei wird der Eindruck erweckt, dass auch in unserer Produktionsstätte unangemessene Arbeitsbedingungen vorherrschen würden, wobei der Autor des Artikels, Zacharias Zacharakis, aber lediglich auf die Arbeitsbedingungen an anderen Standorten eingeht. Die in dem Artikel geschilderten Arbeitsbedingungen treffen für unsere Produktionsstätte in unseren Augen jedenfalls nicht zu.


Leider konnten wir zu den Fragen von Herrn Zacharakis im Vorfeld der Artikel-Veröffentlichung nicht Stellung nehmen, da seine E-Mail nur eine unserer Mitarbeiterinnen erreichte, die zu diesem Zeitpunkt gerade im Urlaub war. Das tut uns wirklich leid und wir möchten in diesem Blog-Beitrag eine Stellungnahme zu den Ergebnissen seiner Recherchen nachholen. Falls ihr weitere Fragen zu diesem Thema habt, könnt ihr uns gerne jederzeit schreiben oder anrufen.

 

Die folgende E-Mail hat uns am  28.11.2019 erreicht und wurde, wie beschrieben, leider erst jetzt gelesen. Wir geben hier nachträglich Antwort auf die darin gestellten Fragen:

 

„Sehr geehrte Herren Bezdeka und Ihlenfeld,

 

in einer umfangreichen Recherche über die Fahrradindustrie in Kambodscha haben wir festgestellt, dass Ihr Unternehmen in der Stadt Bavet in der Fabrik Speedtech (Bestway) produzieren lässt. Wir haben Gespräche mit Arbeitern der Fabrik und den dort ansässigen Gewerkschaften geführt. Dazu stellen wir Ihnen folgende Fragen:

 

1. Ist Ihnen bekannt, dass den Arbeitern trotz des gesetzlichen Anspruchs auf bezahlten Erholungsurlaub dieser nicht gewährt wird? Wenn ja, wie überprüfen Sie, ob den Arbeitern Urlaub gewährt wird?

Antwort: Nein, das ist uns nicht bekannt. Unser Partner in Kambodscha ist einer der größten Fahrradhersteller weltweit, der für viele namhafte Hersteller arbeitet und eine der modernsten Fabriken in der Fahrradbranche betreibt. Als wir uns für diesen Partner entschieden haben, waren für uns nicht nur das extrem hohe Know-How bei der Fahrradherstellung wichtig, das sich nun mal in Südostasien konzentriert, sondern eben auch faire Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit. Wir wollten wissen: Wie sieht es in dem Werk aus? Wie viele Tage wird dort gearbeitet? Welche Sozialleistungen gibt es? 

Bei unserem Partner gibt es eine 6-Tage-Woche mit normalen Arbeitszeiten (von 07:30-09:30, 09:45-11:30, 12:30-14:30, 14:45-16:30) ohne Schichtbetrieb, also ohne Nacht- und Wochenendarbeit. In einem gesetzlich festgelegten Rahmen dürfen Überstunden gemacht werden, dann geht der Arbeitstag bis 18:30. An Sonn- und Feiertagen ist die Fabrik ausnahmslos geschlossen. Feiertage, die auf einen Sonntag fallen müssen an einem anderen Tag frei gegeben werden. Üblicherweise der darauffolgende Montag. Es gibt Mutterschutz und Krankenstand. Urlaubstage gibt es auch, allerdings weniger als in Europa. Dafür gibt es mehr staatliche Feiertage.

Unsere Qualitätsmanager besuchen unsere Produktionsstätte in Kambodscha fast jeden Monat. Vor Ort überprüfen sie nicht nur die Qualität der Produkte, sondern gewinnen jedes Mal auch einen persönlichen Eindruck über die dort herrschenden Arbeitsbedingungen. Keiner der Angestellten in diesem Werk macht auf sie einen erschöpften oder gestressten Eindruck.

Ihre Recherche deckt sich daher nicht mit unseren Erfahrungen und Eindrücken, die wir uns im Laufe der Jahre von dort machen konnten. 


2. Ist Ihnen bekannt, dass die Arbeiter hohe Output-Vorgaben erhalten, die sie nicht einhalten können? Wenn ja, was unternehmen Sie, um die Bedingungen zu verbessern?

Antwort: Nein, das ist uns nicht bekannt. Unsere Qualitätsmanager, die fast monatlich vor Ort sind, berichten sogar, dass es immer wieder zu Leerläufen in den Produktionsschritten kommt und kein Mitarbeiter einen gestressten oder erschöpften Eindruck macht.

 

3. Ist Ihnen bekannt, dass sich die Beschäftigten nicht in Gewerkschaften engagieren dürfen, weil sie sonst ihre Arbeit verlieren? Wenn ja, wie beurteilen Sie diese Praxis?

Antwort: Nein, das ist uns nicht bekannt. Wir verpflichten unsere Zulieferer – und im Rahmen der Lieferkette auch deren Zulieferer – schon seit Jahren vertraglich, geltende internationale arbeitsrechtliche Bestimmungen einzuhalten, so auch das Gewerkschaftsrecht. Ein Bruch dieser Vereinbarung ist uns nicht bekannt.  

 

4. Wie oft und mit welchen Vertretern Ihres Unternehmens sind Sie in der Fabrik vor Ort? Haben Sie jemals mit den einfachen Beschäftigten gesprochen? Wenn ja, was haben Sie erfahren?

Antwort: Seit unserer ersten Produktion in dem Werk im Dezember 2016 besuchen unsere Qualitätsmanager das Werk nahezu monatlich. Seit diesem Zeitpunkt ist stets die gleiche Person als leitender Qualitätsmanager vor Ort gewesen und konnte sich somit über einen langen Zeitraum ein gutes Bild über die Arbeitsbedingungen der Menschen vor Ort verschaffen. Eine Verschlechterung der Bedingungen wäre unserem Qualitätsmanager schnell aufgefallen. Ausführliche Unterhaltungen mit den Arbeiterinnen und Arbeitern vor Ort sind aufgrund ihrer mangelnden Englischkenntnisse leider nicht möglich. Für uns bestand für solche Gespräche auch keinerlei Anlass, da wir zu keinem Zeitpunkt den Eindruck hatten, die Arbeiterinnen und Arbeiter würden unfair behandelt.

 

5. Warum lassen Sie in Bavet produzieren?

Antwort: Seit Jahrzehnten konzentriert sich das Know-How der Fahrradproduktion in Südostasien. Uns ist es bisher trotz aller Bemühungen nicht gelungen, eine geeignete Produktionsstätte in Europa zu finden, die unseren Qualitätsansprüchen gerecht wird und auch in der Lage ist, unsere Stückzahlen zu produzieren. Die ersten 500 woom bikes haben wir beispielsweise in einem europäischen Kleinbetrieb produzieren lassen. Dabei mussten wir feststellen, dass dort der Stand der Technik und auch der Arbeitsbedingungen dem Niveau unserer Produktionsstätte in Kambodscha klar hinterherhinkt.

 

6. Warum lassen Sie auf Ihren Fahrrädern den Herkunftsnachweis ("Made in Cambodia") unter der Tretkurbel anbringen?

Antwort: Die Anbringung des Herkunftsnachweises auf dem Tretlager ist die gängige Praxis unseres Herstellers und keine Vorgabe von uns. Auch die Angabe „Designed with love in Austria“ steht auf dem Tretlager. 

 

Wir freuen uns über Ihre Antworten auf diese Fragen bis Montag, den 02.12.2019, um 18.00 Uhr. Der Artikel über unsere Recherche wird in den darauffolgenden Tagen erscheinen.


Mit freundlichen Grüßen,

Zacharias Zacharakis“

Selbstverständlich nehmen wir die Ergebnisse der Recherchen von Herrn Zacharakis sehr ernst und werden uns diesbezüglich umgehend mit unserem Partner vor Ort in Verbindung setzen, und ihn gezielt zu den geschilderten Umständen befragen. Auch werden wir diesen Artikel zum Anlass nehmen, um uns zu überlegen, wie wir die Arbeitsbedingungen vor Ort noch gezielter überprüfen und von unserer Seite aus gegebenenfalls verbessern können, falls diese Vorwürfe auch unsere Produktionsstätte betreffen sollten. Denn faire Arbeitsbedingungen sind uns ein großes Anliegen, sowohl in Kambodscha als auch in Österreich.


Christian Bezdeka und Marcus Ihlenfeld

(Gründer und Geschäftsführer von woom)